to look at | Fluide Identität und die Kunst von Peter Hoffmann

Der Begriff der „fluiden Identität“ lässt sich unmittelbar mit der künstlerischen Arbeit von Peter Hoffmann verbinden. Seine Kunst bewegt sich immer wieder zwischen festen Kategorien und löst deren Grenzen auf: zwischen analog und digital, Mensch und Maschine, Vergangenheit und Gegenwart, Natur und Technik, Bild und Klang sowie Realität und imaginierter Wirklichkeit.

Fluide Identität und die Kunst von Peter Hoffmann

Die Vorstellung einer festen, eindeutig bestimmbaren Identität verliert in einer zunehmend vernetzten und digital geprägten Welt an Bedeutung. Identität entsteht heute vielfach aus unterschiedlichen kulturellen Erfahrungen, sozialen Beziehungen, Bildern, Erinnerungen und technischen Einflüssen. Sie ist nicht abgeschlossen, sondern verändert sich ständig. Der Mensch befindet sich damit in einem fortwährenden Prozess der Neuverortung.

Genau an diesem Punkt setzt die Kunst von Peter Hoffmann an. Seine Arbeiten verstehen Identität weniger als festes Selbstbild, sondern als einen offenen Prozess zwischen unterschiedlichen Welten. Dabei geht es nicht allein um die menschliche Identität, sondern auch um die Frage, wie sich unser Verhältnis zu Technik, künstlicher Intelligenz und nichtmenschlichen Akteuren verändert.

Besonders deutlich wird dies in Hoffmanns Arbeiten mit Künstlicher Intelligenz und Zeichenrobotern. Für die Serie Wanderer entstehen mithilfe von KI archaisch und schamanistisch anmutende Motive. Diese werden anschließend in Steuerbefehle für einen Zeichenroboter übersetzt und von diesem auf Papier ausgeführt. (Peter Hoffmann Art)

Damit entsteht ein hybrider künstlerischer Prozess. Das Bild hat keinen einzigen Ursprung mehr. Es entsteht aus dem Zusammenspiel von menschlicher Entscheidung, digitalen Daten, algorithmischer Verarbeitung, technischer Ausführung, Material und Zufall. Die klassische Vorstellung vom Künstler als alleiniger Urheber wird dadurch erweitert. Der Künstler initiiert, beobachtet, entscheidet und greift ein – gleichzeitig lässt er dem technischen Prozess Raum für ein Ergebnis, das nicht vollständig vorherbestimmt werden kann.

Die Grenze zwischen Mensch und Maschine wird dadurch zu einem künstlerischen Untersuchungsfeld.

Diese Offenheit findet sich auch in Hoffmanns Begriff der „intermediate world“, der Zwischenwelt. Seine Wanderer-Arbeiten werden ausdrücklich als „Pictures from the intermediate world“ bezeichnet. (Peter Hoffmann Art) Der Wanderer ist dabei nicht nur eine Figur, die sich von einem Ort zum anderen bewegt. Er kann als Sinnbild für einen Zustand verstanden werden, in dem Gewohntes verlassen wird und etwas Neues noch nicht eindeutig bestimmt ist.

In diesem Sinne lässt sich der „Wanderer“ auch als Bild einer fluiden Identität lesen. Er gehört nicht mehr vollständig dem einen und noch nicht dem anderen Ort an. Seine Identität entsteht aus Bewegung, Erinnerung und Veränderung. Das Wandern wird damit zu einem inneren wie äußeren Vorgang.

Auch Hoffmanns Auseinandersetzung mit unterschiedlichen kulturellen und archaischen Bildwelten lässt sich vor diesem Hintergrund betrachten. Zeichen, Formen und Vorstellungen aus verschiedenen kulturellen Zusammenhängen werden nicht als abgeschlossene Systeme übernommen, sondern treten in einen neuen Zusammenhang mit digitalen Technologien. So begegnen sich kulturelle Erinnerung und algorithmische Bildproduktion.

Dabei ist die KI für Hoffmann nicht einfach ein Werkzeug zur schnelleren Herstellung von Bildern. Sie wird vielmehr zu einer Art Vermittlerin zwischen verschiedenen Wissens- und Bildwelten. Aus bereits vorhandenen Informationen entstehen neue Kombinationen. Die Maschine produziert dabei keine „eigene“ Identität im menschlichen Sinn, verändert aber die Bedingungen, unter denen Bilder entstehen und wahrgenommen werden.

Diese Auseinandersetzung reicht bei Hoffmann über das einzelne Bild hinaus. Seine künstlerische Praxis umfasst Zeichnung, Fotografie, Video, Klang, Installation und Performance. Auf seiner Website finden sich beispielsweise Arbeiten wie SANGGAR – sieben Fahnen, Tsunami, Kristallglashasen und verschiedene Sound- und Videoperformances. (Peter Hoffmann Art) Auch darin zeigt sich eine Kunst, die sich nicht auf ein Medium oder eine eindeutige Form festlegen lässt.

Interessant ist deshalb, den Begriff der Hybridität nicht nur auf das Motiv, sondern auf den gesamten künstlerischen Prozess anzuwenden. Hoffmanns Arbeiten sind hybrid, weil in ihnen unterschiedliche Medien, Materialien, Technologien und kulturelle Vorstellungen zusammentreffen. Das Kunstwerk wird zu einem Übergangsraum.

Die Frage nach Identität wird dadurch zu einer Frage nach den Grenzen des Menschlichen überhaupt: Was bedeutet es heute, Künstler zu sein, wenn Maschinen an der Entstehung eines Bildes beteiligt sind? Was bleibt menschliche Entscheidung, und was entsteht aus einem Prozess, den der Mensch nicht mehr vollständig kontrolliert?

Hoffmanns Kunst gibt darauf keine eindeutige Antwort. Sie macht vielmehr die Unsicherheit und Offenheit dieses Übergangs sichtbar. Gerade darin liegt ihre Verbindung zum Konzept der fluiden Identität: Das Eigene ist nicht mehr als unveränderlicher Kern gedacht, sondern als etwas, das sich in der Begegnung mit anderen Menschen, Kulturen, Technologien und Wirklichkeiten immer wieder neu bildet.

Die Kunst von Peter Hoffmann bewegt sich somit konsequent zwischen den Welten. Sie untersucht nicht nur eine veränderte Wirklichkeit – sie entwickelt eigene Zwischenräume, in denen die Grenzen zwischen Mensch und Maschine, Natur und Technik, analog und digital sowie Vergangenheit und Zukunft vorübergehend durchlässig werden.